Energy Communities: Was steckt dahinter

26. Mai 2021

Im letzten Beitrag zu Energy Communities haben wir uns der Thematik über die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen im Kontext der Energiewende genähert. Darin ging es vor allem um die drei D’s: Digitalisierung, Dezentralisierung und Dekarbonisierung.

Was aber muss gegeben sein, um eine Energy Community umzusetzen? Und welche Formen von Energy Communities lassen sich unterscheiden? Wir sehen im Wesentlichen drei Faktoren, die erfüllt sein müssen, wenn wir von einer Energy Community sprechen:

  1. Die Ausprägung und Bewirtschaftung einer digitalen Plattform zur Bereitstellung und Optimierung dezentraler Energieversorgung, wobei die Versorgung durch erneuerbare Quellen ggü. konventionellem Netzbezug priorisiert wird.
  2. Das Schaffen eines digitalen Netzwerks aus Prosumern und Consumern mit entsprechender Partizipation an dezentraler Erzeugung, z.B. über Tarifstrukturen und Vermarktungsmechanismen.
  3. Die Gestaltung eines digitalen Markplatzes für die Bereitstellung von weiterführenden Services und Dienstleistungen gegenüber den Community-Teilnehmern im Rahmen der Energy Community.

Typologie von Energy Communities

Vor dem Hintergrund der aktuellen Dynamik im europäischen Energiemarkt sowie der damit zusammenhängenden Regulatorik (RED II und EMD) haben sich zwei Community Typen herausgebildet: eine bilanziell-physische und eine bilanziell-virtuelle Energy Community. Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Versorgungsgemeinschaften liegt in der Art der Nutzung des Stromnetzes sowie der Bilanzierung und Abrechnung der erzeugten und verbrauchten Energie.

Bei der physischen Community lässt sich zwischen der Collective Self-Consumption (privates Netz, z.B. Quartier oder Mehrfamilienhaus) und Community Self-Consumption (privates und öffentliches Netz) unterscheiden. Die virtuelle Community wird häufig über eine Region definiert, es sind aber auch andere Regeln der Zusammengehörigkeit möglich.

Physische Communities

Bei der ersten Variante besteht eine direkte bzw. unmittelbare Verbindung zwischen der Erzeugungsquelle und den Verbrauchsstellen. Denn dezentral erzeugter Strom soll nicht einfach ins Netz eingespeist werden und behandelt werden, wie jede andere Kilowattstunde Strom. Vielmehr soll über die direkte geografische Nähe eine Gleichzeitigkeit von Erzeugung zu Verbrauch auf unterster Netzebene geschaffen werden und so zu einer Entlastung des Gesamtsystems führen.

Communities im privaten Netz

Communties im privaten Netz (“private grid only”) werden auch als Collective Self-Consumption bezeichnet. Die Teilnehmer befinden sich hinter dem gemeinsamen Netzanschlusspunkt und nutzen lokal erzeugten Strom gemeinsam. Die Charakteristika von Collective Self-Consumption Communities sind:

  • lokal erzeugter Strom wird im privaten Netz verteilt
  • die Teilnehmer sind hauptsächlich “Consumer” (reine Verbraucher)
  • eine Erzeugungsanlage (häufig PV) versorgt die Community innerhalb des privaten Netzes
  • Energieüberschuss sowie zusätzlicher Energiebedarf wird mit dem öffentlichen Stromnetz ausgetauscht
  • die Community maximiert den Eigenverbrauch bzw. minimiert den Netzbezug über ein entsprechendes Messkonzept und ggf. Optimierungsalgorithmen
  • ein Batteriespeicher und auch Elektrofahrzeuge (Wallboxen, Ladesäulen) können als lokale Flexibilität eingesetzt werden
  • der Anreiz zur Teilnahme an einer solchen privaten Community kann über entsprechende Tarife bzw. Anreizstrukturen verstärkt werden, beispielsweise Mieterstrom-Tarif

Beispiele sind hier z.B. die im Deutschen Markt bekannten Mieterstrom-Gemeinschaften, Quartiersprojekte sowie Arealnetze im gewerblichen Bereich. International bekannt sind u.a. auch Energiegenossenschaften mit privater Netzstruktur.

Lokale Eigenverbrauchs-Communities

Lokale Eigenverbrauchs-Communities nutzen im Gegensatz zu Communities im privaten Netz auch das öffentliche Stromnetz. Die Aggregation, Verteilung und Bilanzierung der Energie erfolgt lokal hinter dem Netzübergabepunkt (Trafo-Station) auf Niederspannungsebene. Weitere Merkmale dieser Communities sind:

  • Teilnehmer sind lokal auf einer Netzebene (hinter der Trafo-Station), dort werden installierte Erzeugungskapazitäten und Verbraucherlasten zusammengebracht
  • das Prinzip der Optimierung gilt wie bei der privaten Community gegenüber der nächst höheren Netzebene
  • Anreizstrukturen über spezielle Einspeisevergütungen bzw. vergünstigte Bezugspreise können die Ausgestaltung dieser Versorgungsgemeinschaften begünstigen (vgl. Gesetz zu Renewable Energy Communities in Italien)

Virtuelle Communities

Ist ein physischer, netzgebundener Zusammenhang zwischen Erzeugung und Verbrauch nicht zu gewährleisten, kann trotzdem eine Energy Community geschaffen werden. Wir sprechen dann von bilanziell-virtuellen Communities. Dezentrale Erzeuger und Verbraucher sind somit nicht an einen gemeinsamen Ort gebunden, werden aber trotzdem gegenüber einem Strombezug außerhalb der Gemeinschaft optimiert.

Bei virtuellen Communities unterscheiden wir zwischen einer (klassisch) regionalen Struktur und einer übergreifenden und geografisch unbegrenzten Umsetzung (in einer “Cloud”).

Regionale virtuelle Communities

Eine regionale virtuelle Community entsteht durch den Zusammenschluss von Prosumern und Consumern innerhalb einer bestimmten Region. Anbieter solcher Versorgungsgemeinschaften sind häufig ortsansässige Energieversorger oder Stadtwerke, die ihr Produktportfolio im Rahmen der Digitalisierung weiterentwickeln.

Über entsprechende Tarifmodelle werden Prosumer und Consumer zu einer Community zusammengeschlossen und über regelmäßige Bilanzierung von Erzeugung und Verbrauch abgerechnet. Ein zwingender physischer Zusammenhang zum Stromversorgungsnetz besteht dabei nicht. Aus einer regionalen virtuellen Community kann über entsprechende Messkonzepte eine lokale Community entstehen.

Übergreifende virtuelle Community

Eine übergreifende virtuelle Community funktioniert bzgl. der Umsetzung im Grunde wie die regionale virtuelle Community. Wo die regionale Community durch die Geografie definiert ist, basiert die übergreifende Community auf anderen Gemeinsamkeiten zwischen den Teilnehmern (z.B. gemeinsamen Interessen oder gemeinsamen technischen Voraussetzungen). Anbieter solcher Communites sind zum Beispiel Hersteller von dezentraler Erzeugungstechnik, wie die SMA Solar Technologies AG oder SENEC.

Fragen & Auskunft

Fragen zur Umsetzung oder gemeinsamer Pilotierung beantworten wir gerne. Kontakt: tina.hadler@coneva.com (Produktmanager Energy Communities bei coneva GmbH).

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